Die Hündin Laika ist das erste Lebewesen, das die Erde verlassen hat. Die gutmütige Promenadenmischung streunte in den Straßen Moskaus herum, nicht ahnend, dass sie eines Tages eingefangen werden würde und auch nicht ahnend, dass sie der Wissenschaft zum Opfer fallen würde, denn die Russische Weltraumforschung benötigte Testobjekte, an denen sie die bemannte Raumfahrt erproben konnte. Laika fand sich also in einem Trainingscenter wieder und wurde zusammen mit zwei anderen Hunden, Albina und Muschka, auf eine ungewöhnliche Mission vorbereitet: Das erste Lebewesen im Weltall. An jedem Hund wurden umfangreiche Tests durchgeführt, man steckte sie in Zentrifugen zur Simulation der Beschleunigungskräfte und beobachtete ihre Reaktion auf Lärm und Vibrationen. Am Ende entschied man sich für Laika, weil sie den Belastungen am besten standhielt. Laika war ein rund 3 Jahre alter Mischhund, die genaue Herkunft ist nicht bekannt, aber einige Berichte beschreiben sie als Husky- oder Samojede-Mix, wahrscheinlich war sie auch ein Stück weit Terrier und Spitz.
Die Hündin Laika in der Kapsel der Sputnik 2
Laikas Kapsel in der Sputnik 2
Die Sputnik 2, mit der sie in den Weltraum befördert wurde, war der zweite Satellit überhaupt. Erst einen Monat zuvor hatten die Russen ihren technischen Fortschritt demonstriert, als sie den weltweit ersten Satelliten ins All geschickt haben und damit im Westen den "Sputnikschock" auslösten. Laikas Kapsel in der Sputnik 2 war weich gepolstert und bot genug Platz, damit sie in ihr sowohl stehen als auch liegen konnte. Außerdem hatte sie während der ganzen Zeit Zugang zu einem besonders nährstoffreichen Gel, welches als Wasser und Nahrung diente. Schon drei Tage vor dem Start wurde sie in die Kapsel verfrachtet und ihr Zustand dort ständig kontrolliert. Kurz vor dem Start wurde sie noch sorgfältig präpariert: Mit einer schwachen Alkohollösung wurde ihr Fell gereinigt und anschließend fein gekämmt. An den entscheidenden Stellen bestrich man sie mit Jod und brachte dort Instrumente an, die ihren gesundheitlichen Zustand zur Erde funkten. Am 3. November 1957 war es so weit: Laika hob um 2:30 vom Weltraumbahnhof Kosmodrom Baiqongyr (liegt nordöstlich des Aralsees) ab. Offiziell wurde berichtet, dass Laika während des Starts keine extremen Beeinträchtigungen erlitten habe; die Messgeräte zeigen jedoch, das sie wohl doch sehr starken Stress hatte, da es fast drei Mal so lange wie bei den Tests am Boden gedauert hat, bis ihr Puls wieder auf Ruheniveau gesunken ist.
Schon während der Planung der Mission stand fest, dass Laika die Erde nie wieder sehen würde, denn die Kapsel war nicht für eine Rückkehr konstruiert. Ziel war es legendlich herauszufinden, ob ein Leben im Weltraum möglich ist. Ursprünglich war es ungewiss, wie lange Laika im Weltraum gelebt hat. Einige meinten 24 Stunden, andere eine ganze Woche und wieder andere spekulierten, dass sie ganze 10 Tage gelebt hat. Es war auch zunächst nicht bekannt, wie Laika gestorben ist. Manche glaubten, dass sie - wie geplant - am Ende vergiftetes Futter bekommen hat, andere waren der Meinung, dass sie gestorben ist, als der Sauerstoff verbraucht war oder als es in der Kapsel zu kalt wurde. Es gab auch welche die vermuteten, dass man am Ende ein Gas als schmerzlose Sterbehilfe in die Kammer geleitet hat. Erst 45 Jahre später konnten die Fragen geklärt werden. Denn auf einer Versammlung des World Space Congress berichtete der Wissenschaftler Dimitri Malaschenkow, der am Sputnik 2-Programm beteiligt war, dass schon nach fünf bis sieben Stunden kein Lebenszeichen mehr von Laika kam. Der berühmte Hund war wohl an Überhitzung der Kapsel und Stress gestorben - zweifellos ein äußerst schmerzhafter Tod.
Die halbe Tonne schwere Sputnik 2 wurde zum 40. Jahrestag der bolschewistischen Revolution gestartet und kreiste weitere 163 Tage um die Erde. Dabei umkreiste der Satellit die Erde 2370 mal und legte rund 100 Millionen Kilometer zurück. Am 14. April 1958 verbrannte das Raumfahrzeug mit seinem tapferen Pionier beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Dieses Monument in Moskau wurde zur Ehre von Laika errichtet
50 Jahre später hat man dieses Denkmal in Moskau errichtet- die bronzene Laika auf einer Rakete stehend
Trotz des frühen Tods von Laika gilt die Mission als erfolgreich, denn während der ersten Stunden hat sie gezeigt, dass ein Leben im All möglich ist. Die Tatsache jedoch, dass Laikas Tod von vornherein einkalkuliert war, führte zu einer weltweiten Debatte über Tierversuche und den Missbrauch von Tieren im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts. Gerade im Westen waren viele der Meinung, dass Tiere nicht derart missbraucht werden dürfen. Im Vereinigten Königreich rief die National Canine Defence League in regelmäßigen Abständen die Hundebesitzer Großbritanniens zu Schweigeminuten auf. Die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals begann schon mit Protesten, bevor die Sowjetunion den Erfolg der Mission verkündete und forderte wie andere Tierrechtsgruppen die Öffentlichkeit zu Demonstrationen vor sowjetischen Botschaften auf.
Die negativen Reaktionen im Westen beunruhigten die Sowjetunion, denn sie befürchtete, dass die Tierrechtsdebatte den Ruhm des Projekts erheblich schmälern würde. Deshalb wollte sie nur wenige Informationen über den tatsächlichen Ablauf der Mission nach außen dringen lassen und verbreitete stattdessen gezielt Falschinformationen, wie zum Beispiel, dass Laika wie geplant an vergiftetem Futter gestorben sei, um die Stimmung im Westen zu beruhigen.
Nach einigen Jahren bedauerten jedoch auch zahlreiche Mitarbeiter des Sputnik-Projekt Laikas Ende. Oleg Gazenko, der Laika trainiert hat, äußerte sich 1998 öffentlich zu ihrem Tod: "Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tut es mir leid. Wir haben durch die Mission nicht genug gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen".

Durch den Flug wurde Laika zu einem der bekanntesten Hunde überhaupt - auch noch heute erinnern wir uns bei dem Namen an sie. Viele Briefmarken zeigten ihr Schicksal, man benannte Schokoladen und Zigaretten nach ihr und stellte sie auf zahlreichen Erinnerungsstücken dar. Sie taucht auch in vielen Büchern, Liedern, und Filmen auf und sogar einige Denkmäler haben die Geschichte des kleinen Hundes verewigt.
Doch ist es in Ordnung, dass man so etwas mit Laika gemacht hat? Lesen Sie hier meine Meinung dazu.